Das Schwizer Schützenfest

  1. Jetzt schwand der letzte Sonnenstrahl
    Vom hohen Bergesrand,
    Da ritt ich in ein Dörfchen ein
    Im schönen Schwizerland.

  2. Und vor dem Dörfchen auf der Au
    Da stand wol Zelt an Zelt,
    Von manches wackren Schützen Schuss
    im Thal es wiedergällt.

  3. Ein lustig Treiben rings umher,
    Es jauchzte Jung und Alt,
    Und da auch ich gern fröhlich bin,
    So macht‘ ich freudig Halt.

  4. Gott grüß‘ euch, rief ich ihnen zu,
    Bei euch geht’s munter her;
    Ist wohl für einen Fremden noch
    Ein kleines Plätzchen leer?

  5. Willkommen! schallt’s aus jedem Mund;
    Das Schießen ist zwar aus,
    Doch kommt Ihr, Herr, noch grade recht,
    Zu unsrem Schützenschmaus.

  6. Und mit Musik und mit Gesang
    Ging’s jetzt in‘s Dorf hinein,
    Und fröhlich kehrt die ganze Schar
    beim Mohrenwirte ein.

  7. Dort drinnen in dem großen Sal, 
    Die Tafel steht gedeckt.
    O wie bei heitren Menschen doch
    Das Mal so trefflich schmeckt!

  8. Es kreiste in dem rund herum
    Ein silberner Bokal,
    Er war des besten Schützen Preiss
    Im ganzen Wiggerthal.

  9. Ein Jeder trank mit einem Spruch
    Vom edlen Rebensaft,
    Ich leert‘ ihn aus und bracht‘ ein hoch
    Der Eidgenossenschaft.

  10. Horch! drüben her vom andren Sal
    Der Reigen tönt hervor;
    Der Klang der ländlichen Schalmei
    Schlug freudig an mein Ohr.

  11. Wer steht im Sammetmieder dort
    Und dunkelfarbnen Kleid?
    O folg sum muntren Tanze mir,
    Du holde Schwizermaid.

  12. Wo knapp am Rock das Mieder schließt.
    Umschlang sie jetzt mein Arm,
    Wie klopft ihr Herz, wie floss in mir
    Das Blut so rasch und warm!

  13. Und auf und nieder drehn wir uns
    Im Takte der Musik,
    Und in die Augen schaut sie mir
    Mit seelenvollem Blick.

  14. Wie heißt du denn, mein schönes Kind?
    Man nennt mich Thrineli;
    Doch mit Verlaub, sprach sie darauf,
    mein Herr, wie heißen sie?

  15. Was liegt an meinen Namen dir?
    Mein väterliches Haus
    Ist viele Meilen weit entfernt
    Im fremden Lande draus.

  16. So sprachen wir noch lange Zeit
    Gar traulich Hand in Hand;
    O könnt ich ewig bei dir sein
    Im schönen Schwizerland.

  17. Doch horch! da ruft mit hellem Ton
    Im Hof der neid‘sche Hahn
    Schon färbt sich’s rot im Osten dort,
    Der Morgen bricht heran.

  18. Leb wohl, mein Kind, gedenke mein.
    Dich halte ich lieb und wert;
    Leb wohl! schon scharrt vor Ungeduld
    Im Hofe draus mein Pferd.

  19. So saß ich auf; Sie winkt mir nach;
    Hoch stand die Sonne schon;
    Die Thräne wischt‘ ich aus dem Aug‘
    und ritt betrübt davon.

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