4. Straßburg – Liestal – In der Schweiz!

Heute keine lange anstrengende Radtour über 150 km, sondern eine wunderbare Zugfahrt, die mich direkt von Straßburg ins Herz der Schweizer Grenzstadt Basel bringt.

Morgens habe ich genug Zeit und frühstücke in einem Restaurant in der Nähe des Hotels. Es ist sehr klein; Es können maximal 8 Personen sitzen. Eine Reihe von Leuten tröpfelt herein, die ein Sandwich und einen schnellen Kaffee wollen. Ich habe das Gefühl, in die täglichen Rituale dieser Straßburger einzubrechen. Die Besitzerin des Restaurants behält alles genau im Auge, wenn ihre Tochter Besteck, Servietten, Butter und Marmelade auf den Tisch stellt. Die Tochter erzählt mir etwas zu laut, dass die Marmelade nicht wirklich von ihrer Mutter gemacht wird, sondern von ihrer Großmutter. Die Mutter reagiert etwas verlegen, aber alle finden es sehr lustig.

Ich nehme ein französisches Frühstück mit geschlagenen Eiern, Croissants und Joghurt. Der Kaffee ist gnadenlos lecker und wird pro Tasse mit einer lauten Maschine gemahlen. Infolgedessen gibt es nicht viel Gelegenheit für ein angeregtes Gespräch. Die Leute sind sowieso nicht gesprächig. Ich habe jeden Tag das Gefühl, dass das Leben für meine Frühstücksbegleiter gleich ist. Bilder aus dem Film „Groundhog Day“ und dem Theaterstück „Waiting for Godot“ kommen mir in den Sinn. Sie kommen jeden Tag zum Frühstück hierher und gehen dann wieder. Nach einer zweiten Tasse Kaffee, ich weiß nie, wann sich die nächste Gelegenheit ergibt, gehe ich wieder. Ich verlasse das Hotel und gehe zum Bahnhof.

Es gibt einen speziellen Bereich, wo mein Fahrrad abgestellt werden kann. Nun, aufgehängt ist ein besseres Wort. Ich sitze so, dass ich mein Rad und meine Taschen gut im Blick habe. Die Fahrt nach Basel dauert nur 1,5 Stunden und es ist sehr unruhig im Abteil. Da sind 2 schwatzende Frauen mit je einem Kind auf dem Schoß, ein Reisender mit viel Fotoequipment, der singt und sich mit Ohrstöpseln zur Musik auf seinem Handy bewegt. Ein Vater animiert seinen 2-jährigen Sohn mit Videos auf seinem Handy. Ich erkenne die französische Version von „Die Räder des Busses gehen hin und her …“. Und wie den meisten Kindern ist es egal, wie oft so etwas hintereinander wiederholt wird, etwas, was Erwachsene anders denken…..

Diese ganze Szene dauert ungefähr eine halbe Stunde, wird aber vom Kondukteur brutal unterbrochen. Der Vater hat keine Fahrkarten und bestellt sie vor Ort für seine Familie; ohne Bußgelder und Diskussionen. In den Niederlanden werden Sie sofort mit einer Geldstrafe belegt, weil Sie es nicht im Voraus melden. Während meiner Reise werde ich vielen kulturellen Unterschieden begegnen.

Als der Zug in Basel einfährt, steige ich gerne aus; Radfahren, weil ich das wollte. Basel ist eine alte, aber auch eine moderne Stadt. Wie in Straßburg wird es modernisiert, ohne die alten Gebäude abzureißen. Geschichte und Kultur gehen hier Hand in Hand.

Als ich an einem Kiosk anstehe, um einen Kaffee zu bestellen, sehe ich meinen Vorgänger mit schönem und buntem Geld bezahlen. Plötzlich merke ich, dass ich kein Schweizer Geld habe und verlasse die Reihe, um es abzuheben. Das Schweizer Geld ist in der Tat wegen der leuchtenden Farben von besonderer Schönheit; Eigentlich schade, damit zu bezahlen.

Aufgrund der Zugfahrt habe ich plötzlich einen Vorsprung in meiner Reiseplanung und entscheide mich, heute nur rund 30 Kilometer zu radeln und dann in der Stadt Liestal Halt zu machen. Wie erwartet tauchen die ersten Hügel ausserhalb von Basel auf und ich mache mich bereit zu spüren, wie steil sie sind und wie meine Kondition ist. Nach einigen kleinen Hügeln erreiche ich Liestal und habe eigentlich keine Ahnung, wie meine körperliche Verfassung wäre, wenn die Steigungen zunehmen dürften.

Da ich im Voraus nicht wusste, wann ich in dieser Gegend sein würde, habe ich kein Hotelzimmer gebucht, was mich fast teuer gekostet hätte. Nach 1,5 Stunden Texten, Telefonieren und Fragen auf der Straße habe ich immer noch keinen Schlafplatz zum Normalpreis (ein Zimmer wird über das Internet für 900 Euro pro Nacht angeboten), obwohl es bereits fünf Uhr ist. Eine ältere Dame sagt mir, dass im Hotel „Engel“ wohl noch ein Zimmer frei ist; Platz ist immer, versicherte sie mir. Sie hat in der Tat Recht. Kurz bevor ich eintrat, wurde ein Zimmer storniert und das Glück war auf meiner Seite. Es gibt noch einen rettender Engel…

Die Empfangsdame telefoniert und spricht die Sprache, vor der Hermann in seinem Buch warnt; Hier wird “Schwizerdütsch” gesprochen. Als ich es erhalte, erkläre ich ihr, dass ich bereits von meiner Familie gewarnt wurde und zeige Hermanns Buch. Die Rezeptionistin findet das sehr witzig und sagt mir auf meine Bitte nochmal die Rezeption, aber in diesem Dialekt.

Das Hotel ist perfekt; modern, sehr luxuriös und ich kann mit dem Fahrrad über den schicken Teppich quer durchs Hotel fahren und es in einem geschlossenen Raum abstellen. Das alles hat einen Preis von 179 Franken pro Nacht. Plötzlich verstehe ich das sich abzeichnende Gefühl des Geldmangels, das auch Hermann auf seiner Reise empfand.

Da die Schweiz während der Weltkriege neutral blieb, sind viele historische Gebäude erhalten geblieben. Bald finde ich das Gelände des Gasthauses „zum Stab“, in dem Hermann übernachtet hat. Heute heißt es „Stabhof“. Während ich dieses Gebäude fotografiere, stelle ich fest, dass überall auf den Straßen Fahnen hängen. Etwas, das mir von Basel bis in jedes Dorf aufgefallen war. Es gibt mir das Gefühl, dass die Schweizer stolz auf ihr Land sind. Etwas, das in den nächsten Tagen von den Schweizern, von denen ich spreche, bestätigt wird.

Nach dem Essen stelle ich das Programm für den nächsten Tag zusammen und weiß, dass morgen ein steiler Anstieg über den Hauensteinpass auf dem Programm steht. Es wird Zeit, dass ich herausfinde, wie meine Kletterkondition ist…..