18. Como – Mailand – Abschied zwischen Reisegefährten

Am nächsten Morgen überlieferte ich dem Oberleutnant die beiden Pferde. Der Reitknecht meines Vetters, der schon einige Tage in Como auf uns gewartet hatte, machte sich noch an jenem Morgen auf dem Weg und brachte die Pferde glücklich nach Lodi.

Henninger hatte also seinen Auftrag vollendet. Er war sehr darüber erfreut, und obgleich ich ihn einlud, mich nach dem nur sechs Stunden entfernten Mailand zu begleiten, zog es ihn doch so sehr nach der teuern Heimat, daß er sobald wie möglich abzureisen wünschte. Doch machten wir noch zusammen einen Gang durch die Stadt Como. Sie zählt 20.000 Einwohner, und ihr mit und ihr Mittlerer Teil ist ziemlich stark bis befestigt. Über die Mauern und Festungstürme hinaus ragt ein sehenswerter Dom mit einer herrlichen Kuppel. Nicht weit davon ist das Theatergebäude und die Statue des berühmten Physikers Volta. Durch das nahe Tor gelangt man an den See, der den Fuß hoher, mit Villen geschmückter Höhen bespült und auf seinen bläulichen Rücken den Dampfer „Adda“ geduldig auf und nieder einherträgt. Die Stunde nahte heran, wo ich mich von meinem Begleiter trennen, wo ich mein längst ersehntes Ziel, das herrliche Mailand, erreichen sollte. Der Abschied von Henninger wurde mir doch nicht so leicht, wie ich dachte. Denn obgleich ich vorher geglaubt hatte, ich besäße Mut genug, um die Welt allein zu durchwandern, so war ich doch etwas wehmütig gestimmt, als ich in der glühenden Mittaghitze so einsam auf der Chaussee nach Camerlata wandelte und, dort angelangt, zwar viele Menschen, aber laute fremde Gesichter erblickte. Von Camerlata geht die Eisenbahn bis Mailand. An mehreren Stationen wurde gehalten. Die bedeutendste davon ist Monza, ungefähr in der Mitte der ganzen Strecke gelegen. Ich habe diese Stadt auf meiner Rückreise besucht. Das Sehenswerteste ist ihr Dom, ihr altes Amphitheater und der Eisenbahntunnel, der unter der ganzen Stadt herführt. In der Nähe von Mailand wurden die Pässe abverlangt. Ich bekam einen kleinen Schein, wogegen ich den Pass auf der Polizei in Mailand wieder in Empfang nehmen konnte.