13. Die Begegnung mit William Henry Little

Hierauf gingen wir hinab in Wirtszimmer und bestellten ein Nachtessen. Als wir uns eben zu Tische gesetzt hatten, öffnete sich die Türe und eine kleine Gestalt mit etwas auswärts gebogenen Beinen wurden sichtbar und näherte sich unserm Tische. Das Gesicht war schwarz wie Ebenholz, Der Kopf mit krausen Haaren bedeckt; und als der Schwarze sich mit holdem Lächeln gegen uns verneigte, ließ sein weitgeschlitzter Mund und seine Unterlippe eine Reihe blendend weißer Zähne sehen. Übrigens schien der neue Ankömmling von gemütlicher Natur zu sein; Er setzte sich mir gerade gegenüber, winkte dann dem Kellner und machte ihm, indem er mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf seinen weitaufgerissenen Mund deutete, auf eine durchaus leicht verständliche Weise begreiflich, daß er zu essen wünsche. Er ließ sich auch eine mezza bottiglia (eine halbe Flasche) geben, hatte sie aber schon geleert, eh noch seinen Essen kam. Ich beobachtete ihn in allem genau und kann bald zu der Überzeugung, daß er eine äußerst interessante Persönlichkeit sei, deren nähere Bekanntschaft zu machen ich mir vornahm.

Als nun der letzte Tropfen der mezza bottiglia in seinem niedlichen Munde verschwunden war, goss ich ihm von unserm Wein ein, worauf er, ohne Einwendungen zu machen, mit dem süßesten Lächeln ein deutliches <<Thank you>> (Danke) gleiten ließ. „Ah, Sie sprechen englisch“, sagte ich darauf zu dem Krauskopfe; „es ist mir sehr angenehm, mit mich mit Ihnen unterhalten und Ihre nähere Bekanntschaft machen zu können“. Der also Angeredete zeigte mit einem selbstgefälligen, wohlwollenden Lächeln seine zweiunddreißig blendend weißen, und legte dann ebenfalls seine Freude an den Tag, jemand gefunden zu haben, mit dem er sich unterhalten könnte. Er war mit seinem Herrn auf der Reise, kam vom New-York, wo er Bürger und Vater von drei Kindern war, und wollte zunächst mit seinem Herrn nach Paris, <<which he was very curious to see>> (Das er sehr neugierig war, zu sehen). Wir unterhielten uns noch lange von Onkel Tom, von New-York und von seiner Reise, bis ich plötzlich meinen Reisegefährten, den ich ganz vergessen hatte, auf äußerst entschiedene Weise schnarchen hörte. Der gute Mann hatte, was man gewöhnlich bei wohlbeleibten Personen findet, die entsetzliche Angewohnheit, sobald er die Augen schloss, ein Schnarchen ertönen zu lassen, das dem Bäume ausreißenden Orkane in finsteren Eichwalde glich. Ja, wenn er tief eingeschlafen war, so genügte ihm dies noch nicht; dann gab er Töne von sich, wie wenn ein schwerer Güterwagen über Knüppelbrücken oder eine neugesteinte Chaussee führt; Dann fing er an zu bellen, wie ein Hund, der geprügelt wird, oder er schrie wie ein verliebter Kater, ohne des lokomotivähnlichen Pfeifens zu gedenken, womit jeweilen jede Töne untermischt waren. Als mein Amerikanischer Freund diese rührende Symphonie ertönen hörte, riss er Nase, Augen und Mund angelweit auf vor Angst und Schrecken. Aber wie ich ihm nun sagte, das ist mein eingeschlafener Reisegefährte sei, da wäre es ihm vor Erstaunen und Bewunderung beinahe gerade so gegangen wie Münchhausens Lehrer, den die Gelehrsamkeit des kleinen Schülers dermaßen frappierte, daß er den Mund bis hinter die Ohren aufriss, worauf ihm dann diese in die Luftröhre kamen und den Armen Schulmeister jämmerlich ersticken ließen. Beim Abschied schrieb mir der schwarzer Mann seinen Namen in mein Tagebuch; Er hieß William Henry Little.