11. Como – Mailand – Vom Regen in die Traufe

Letzte Nacht war es sehr unruhig in Como. Da es tagsüber sehr heiß ist, beginnen die Straßenarbeiter abends ab 20 Uhr mit der Arbeit. Diesmal muss ein Stück Asphalt ausgetauscht werden, Hobel und Fräse leisten die Vorarbeit, der Asphaltfertiger entlädt seine Ladung und schließlich scheint die Walze sie zu glätten. Um halb eins nachts ist die Arbeit erledigt und die Nachbarschaft kann schlafen gehen. Wegen der Hitze am Tag fangen die Kehrmaschinen zumindest um 5 Uhr morgens an, die Straße gut zu reinigen, damit Como tagsüber wie eine Sonne aussieht. Dass die Bevölkerung durch diese Aktivitäten einen kurzen Schlaf hat, ist offenbar weniger interessant.

So ist es auch bei mir. Nach der kurzen Nacht stehe ich mit einem Katergefühl auf. Da ich ein Zimmer in einem Apartment gebucht habe, muss ich mein Frühstück selbst organisieren. Um 8 Uhr fahre ich durch die Innenstadt auf der Suche nach einer schnellen Mahlzeit mit Kaffee. Auf der Straße ist es ruhig. Wo abends die Restaurants mit Touristen ausgebucht sind, sind morgens die Plätze leer. Weil die Italiener ziemlich beschäftigt sind, miteinander zu reden, fällt mein Blick auf die „Bar Argentino“, wo Kaffee und alkoholische Getränke serviert werden. Nach meiner Bitte um Frühstück gibt es eine begeisterte Aktion des Personals, das Sandwiches vom Bäcker holt, mir aber in der Zwischenzeit einen leckeren Cappuccino serviert. Das nenne ich Service, der dem Personal an der Kasse ein gutes Trinkgeld gibt. Nach einer Viertelstunde genieße ich das Frühstück mit einem zweiten Cappuccino und kann mit meinem Morgen nichts falsch machen.

Während des Frühstücks fängt es jedoch plötzlich an zu regnen; mit der Aussicht auf die Radtour nach Mailand ein unangenehmer Gedanke, da ich hauptsächlich die Hauptstraße benutzen muss, weil es in dieser Gegend kaum Radwege gibt. Vielleicht hat die EU noch irgendwo Geld, um den Bau von Radwegen in dieser Gegend anzuregen……

Regen in Como

Der Regen lässt mich erkennen, dass ich die Qualität meiner Regenbekleidung noch nicht testen musste, also ist dies die perfekte Gelegenheit. Ich fahre in südlicher Richtung los und fahre die ersten Stunden in heftigen Regenschauern bei angenehmen Temperaturen. Mein Regenmantel und meine Überschuhe tun gut und halten meinen Oberkörper und meine Füße trocken.

ein billiger Kaffee

Mittags hört es auf zu regnen und sofort schießt die Temperatur auf über 30 Grad und die Hitze übernimmt wieder meine Laune. Ein Cappuccino ist für mich die perfekte Medizin und unterwegs trinke ich einen in der „Bar Roma“, der mich nur 1,40 € kostet. Ich werde Ihnen nicht sagen, was sie in der Schweiz oder in den Niederlanden zu fragen wagen…..

Ich fahre immer noch den motorisierten Verkehr auf derselben Straße und werde immer belebter, je näher Mailand kommt. Vor mir liegt die Autobahn SS36 nach Mailand und der Radweg führt mich mehrere zehn Kilometer parallel dazu. Ich vermute, dass der Radweg wenig genutzt wird, da das Unkraut die Fläche langsam verschluckt. Unterwegs sehe ich eine Bank, die bald verschwunden sein wird.

Nach einer guten Stunde Fahrt biegt die Straße in den Ballungsraum Mailand ab. Über verschiedene Vororte und Routen durch Wohngebiete komme ich in den „Parco Nord Milano“; ein schöner weitläufiger Park mit Spielgeräten, schönen Brücken und Grillplätzen. Plötzlich sehe ich Kleider, Matratzen und Müll unter Bäumen liegen. Weiter liegen Menschengruppen im Schatten und ich merke, dass hier Gruppen von Flüchtlingen und Obdachlosen leben. Ich setze meinen Weg fort, werde aber jedes Mal gefragt, ob ich Geld geben möchte. Schnell verlasse ich den Park über eine breite Straße, um über einen Umweg zu meiner Wohnung zu gelangen. Die Polizei patrouilliert außerhalb des Parks und kontrolliert Autos und Personen, die den Park betreten oder sich ihm nähern. Sie lassen mich in Ruhe, aber ich habe das Gefühl, einer gefährlichen Situation entronnen zu sein.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf macht Mailand plötzlich viel weniger Spaß. Die Stadt ist ein großer Ameisenhaufen mit viel Verkehrslärm, es ist brütend heiß und fast jede Straße ist wegen Reparaturarbeiten aufgebrochen, so dass es viel Stau gibt.

Gegen 15 Uhr erreiche ich meine Wohnung, die sich hinter einem großen stabilen Zaun mit großem Innenhof befindet. Wenn ich in der Wohnung bin, ist es still; Die Hektik der Stadt ist auf wundersame Weise verschwunden. Da ich eine eigene Küche habe, erledige ich meine Einkäufe und kann mich somit gemütlich auf den morgigen Ruhetag vorbereiten und mich für eine Weile vom Stadtleben verabschieden.