10. Bellinzona – Como – Nach Italien

Nach einer unruhigen Nacht in Bellinzona; „a city that never sleeps“ Ich machte mich früh auf den Weg nach Como. Es ist schon warm, als ich Bellinzona verlasse. Zum Glück bin ich schnell aus der Stadt raus und ein Radweg wird angezeigt, der durch Ackerland schneidet und mich vom motorisierten Verkehr fernhält. Dadurch fahre ich zwar mehr Kilometer, aber die Ruhe ist super.

Nach einer guten Stunde Radeln zeichnet sich für mich der einzige Anstieg des heutigen Tages ab: „Monte Ceneri“. Es ist ein harter Anstieg mit mehreren Haarnadelkurven. Viele Fahrzeuge wollen die mautpflichtige Straße über diese Felswand meiden und entscheiden sich für die alte Route, die mit Sicherheit mit Lastwagen befahren ist. Nach einer Stunde bin ich daran vorbei und komme auf eine schmale Straße, die mich an grünen Wiesen, verfallenen Häusern aber auch kleinen Dörfern vorbeiführt.

Ich höre lebhafte Gespräche und finde eine kleine, nüchterne Terrasse, auf der die Einheimischen ausführlich auf Italienisch diskutieren, und ich beschließe, auch auf der Terrasse Platz zu nehmen. Der servierte Cappuccino ist ausgezeichnet und ich bestelle gleich noch einen. Die Leute achten nicht auf mich und das ist wunderbar. Der Alltag geht weiter und ich bin nur ein vorübergehender Zuschauer. Mit der Kasse möchte ich ein Trinkgeld geben, aber der Besitzer will das nicht. Ich bedanke mich freundlich für den leckeren Kaffee und verschwinde schweigend von der Terrasse.

Heute folgt die Route hauptsächlich dem Wasser. Zuerst radle ich 30 Kilometer entlang eines Flusses, der endlos neben mir fließt und mir innere Ruhe schenkt. Nach dem staubigen und schmutzigen Tag von gestern ist dieser Tag ein Hauch frischer Luft.

Kunstwand aus Beton

In der Nähe des Dorfes Torricella-Taverne trennt eine Betonmauer das Industriegebiet vom Fluss. Auf dieser 570 Meter langen Wand haben Schüler des örtlichen Kindergartens und der Grundschule ihre Version bekannter Gemälde gemacht und ein langes Museum geschaffen. Ich finde es sehr schön, aber auch schade, dass es irgendwo hinten platziert wurde und nicht an einer Stelle, wo es für das Dorf und Passanten besser zugänglich ist.

Lago di Lugano

Um nach Como zu fahren, muss ich am Luganer See vorbei. Es ist eine wunderschöne Gegend, in der Häuser bis zum See gebaut wurden. Der See ist von hohen Hügeln umgeben. Dafür muss ich 15 Kilometer zusätzlich fahren. Nach diesem Umweg kann ich endlich weiter nach Como fahren. Bevor ich dort ankomme, muss bei Chiasso zwischen der Schweiz und Italien ein Grenzposten passiert werden, und anders als bei früheren Grenzübergängen wird hier streng von uniformierten Zöllnern kontrolliert. Damit wird deutlich, dass die Schweiz nicht zur Europäischen Union gehört.

Grenzübergang Schweiz-Italien

Como liegt am Fuße des Sees und nach einem schönen Abschnitt bin ich in der Stadt. Bevor ich meine Wohnung erreichen kann, fallen vor mir riesige Absperrungen. Hier fährt nur ein Zug durch die Stadt! Es dauert weitere 2 Minuten, bis der Zug vorbeifährt. Anscheinend haben sie hier die ganze Zeit…..

Zug in der Stadt

Ich mache noch einen Rundgang durch die Innenstadt und suche nach der Person, die Como berühmt gemacht hat: dem Wissenschaftler Alessandro Volta. Am Fuße des Sees wurde 1927 eigens für ihn ein Tempel errichtet. Sein wissenschaftlicher Verdienst ist die Entdeckung und Definition des elektrischen Stroms, nach dem die Einheit der elektrischen Spannung (Volt) benannt wurde.

Denkmal für A. Volta

Como macht mich unruhig, weil der motorisierte Verkehr dominiert, er schnell fährt und für den Fahrradverkehr kaum Platz ist. Morgen fahre ich nach Mailand und bin schon sehr gespannt, welche Erfahrungen ich dort machen werde.